Gedanken

14 April 2016

Ein Brief an Jennifer Jäger

Liebe Jenny,

die Leipziger Buchmesse ist für mich immer ein Anlass, auf das letzte Jahr zurück zu blicken und aus einem mir unerfindlichen Grund hoffe ich jedes Mal, dass mich Freunde aus vergangenen Jahren nicht vergessen haben und wir und genauso herzlich begrüßen können, wie auf den vorherigen Messen. Meistens geht so ein Jahr in einem Wimpernschlag rum und es ist erstaunlich, was man alles in 365 schaffen kann.

Liebe Jenny, wir haben uns damals im Zuge der Bookrix-Revolution kennengelernt. Jeder als Einzelkämpfer und doch waren wir immer froh darüber, wenn wir Rückenwind bekamen.
Stellt dir vor, unsere Bekanntschaft wäre ein Kind, dann wäre es dieses Jahr 6 geworden und würde nach dem Sommer in die Schule kommen - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Ich weiß noch, wie aufgeregt du warst, als dein erstes Buch ein Verlag gefunden hat und wie verdammt verzweifelt du warst, als die erste Kritik kam. Aber was du nicht weiß ist, dass wir anderen da saßen und uns dachten:

Ja, die Jenny, die hat es geschafft.


Und wenn mich die letzten 6 Jahre etwas gelehrt haben, dann ein bisschen entspannter zu sein. Erfolg braucht verdammt viel Zeit und nimmt viel Arbeit in Anspruch. Und deswegen möchte ich dir sagen, dass Menschen wie du mich inspirieren – aber auch sehr neidvoll zurückgelassen haben. Schließlich ist das Graß auf der anderen Seite immer viel grüner.
Dieses Jahr möchte ich aber mein Neid ablegen und die harte Arbeit von anderen wertschätzen – so, wie ich es mir auch für meine Projekte wünsche.

Deswegen Danke. 

Danke für deine wundervollen Bücher, dein Rat als Teil des Neobooks-Teams und dein Durchhaltevermögen bei der Schreibnacht. Wir vergessen viel zu oft, dass Erfolg nicht vom Himmel fällt, dass auch eine J. K. Rowlings mal einen schlechten Tag hat und wie viel uns die großen Schritte unserer Kollegen weiterbringen – und wenn es nur ein Ansporn ist, sein eigenes Buch fertig zu schreiben.


Ich freue mich auf die nächsten Jahre und ich hoffe, dass noch viel harte Arbeit und weitere Erfolge auf uns zukommen

Alles Liebe


02 Januar 2016

Bon voyage 2015 ~ Ein Jahresrückblick Part 1

Januar


Es öffnet die Bühne der Januar, ein kleiner Neuanfang, ein Monat voller Versprechungen und Wünsche. Ich fing das Jahr mit blick auf bayerischen Schneelandschaften an und es kommt mir vor, als wäre dieser Anblick ein ganzes Leben her.



Mit dem neuen Januar kamen tolle Cover-Projekte, die mich bis zum Ende dieses Jahres begleitet haben. Es betreten die Bühne ein paar Highlights wie die absolut sympatische Emma Wagner, die mich für ihr Buch »Das Handy in der Hummersuppe« gewinnen konnte und obwohl ich wenig Zeit zum Lesen hatte, versüßte mir ihr Roman die Stunden im Fitnessstudio. Es folgte das neue Design von »Sophias Krieger«, ein Buch von Dana Graham, die mit ihrer Häppchen-Lesung für mich ein kleiner Höhepunkt der Leipziger Buchmesse war ♥


Außerdem ging die Arbeit als Herausgeberin in der Polygon Noir Edition in die heiße Phase *yea!*. Meine beste Freundin und ich haben uns daraufhin einen Korrektur-Marathon hingegeben, der mich für's Leben gezeichnet und gelehrt hat, auf mein Bauchgefühl zu hören, wenn es um Manuskripte geht ;-)
Wenig später verlor eine befreundete Illustratorin ihre teure und treue Canon, woraufhin ich meiner Kamera namens Charlie einen kleinen Aufkleber verpasste.



Februar


Der Februar stand im Zeichen der Veränderungen und so machte ich mich auf die Suche nach Inspiration, was dazu führte, dass ich das Logo von Casandra Krammer Design komplett veränderte. Im selben Zug hat Autorin Andrea Walberg ihren Liebesroman »Der Hauch des Sommers« in die zweite Runde geschickt wodurch das Cover zu »Der Schimmer des Frühlings« entstanden ist - und bis heute zählt es zu meinen persönlichen Favoriten ♥
Nur ein paar Tage später entstand eines der Cover, die am meisten Aufmerksamkeit in 2015 bekommen haben. Von Marcus Schneider »Sara - Eine Liebesgeschichte« ein Cover, dem ich sogar eine ganze Seite in meinem kleinen Buchcover-Katalog gewidmet habe.



März


Wie jedes Jahr stand der März unter dem Stern der Buchmesse und ich muss zugeben, dass 2015 einer der schönsten Leipziger Buchmessen war, die ich je besuchen durfte und das, obwohl mir fast die Füße abgefallen sind ;-) 
Ich habe viele meiner Autoren und Freunde zum ersten Mal gesehen, die Messe ist immer so ein kleines Stückchen Wunder, dort werden pixelige Worte auf einem Bildschirm in meinem stillen Zimmer zu realen Menschen zum anfassen und liebhaben. Hier möchte ich mich bei all den Verlagen und Autoren bedanken, die die LBM jedes Jahr zu einem Highlight machen. 

Ein kleiner, besonderer Gruß geht an die liebe Juliana Fabula, mit der ich mir immer wieder eine Ferienwohnung teilen würde :D sie hat geholfen, unseren 10 Liter Eis-Vorrat zu vernichten ~ Respekt! Und an die liebe Fiona Schwarz, stille Wasser sind zwar tief, dafür aber voller Überraschungen ♥



Mitten in der Messezeit habe ich nicht nur ein bisschen pausiert, was das Buchcovergestalten angeht, ich habe auch mein Abitur geschrieben (und bestanden). Manchmal macht man in solchen Zeiten verrückte Dinge und so habe ich mich direkt nach meiner Deutsch-Abschlussklausur in einen Zug gesetzt und bin zu einem Tokio Hotel Konzert gefahren (an dieser Stelle danke an Wolfram, der das ermöglicht hat ♥). Diese Band war irgendwie der Anker zu dem verjährten Teenager in mir und hat mir durch schwere Zeiten geholfen. Vor dem Konzert durfte ich die Jungs von Tokio Hotel treffen und ein paar Worte mit ihnen wechseln, dieses wunderbare Erlebnis hat tief in mir einen Schlussstrich gezogen, der mir sehr willkommen war. Au revoir Kindheit, ich habe dich an dem Tag ganz fest in mein Herz geschlossen, ich bewahre dich dort mit Schmerz aber auch mit Liebe auf ~ versprochen ♥





08 November 2015

Eine weiße Seite

Darf ich ehrlich zu euch sein? Ich liebe weiße Seiten. Das erklärt natürlich nur bedingt, warum man auf meinem Blog keine Beiträge mehr findet, keine Angst, hier wurde nicht eingebrochen, ich habe alles selber aus dem Fenster geschmissen - ich hoffe, die Internet-Obdachlosen freuen sich über halbherzige Artikel und alte Fotos.
Darf ich euch noch ein Geheimnis verraten? Ich habe das Bloggen in den letzten Monaten gehasst. Das war keine kleine Phase der Unlust sondern richtig tiefe Unzufriedenheit. Ich habe mir mit meinen Ideen selber im Weg gestanden, mir beim Gehen auf die Füße getreten und mit eigenen Händen die Sicht versperrt.
Meine größte Angst war, nicht zu wissen, ob ein Beitrag in einer meiner selbst erschaffenen Kategorie passte. Mein Blog-Menü war überfüllt, voller Tabs die kaum entjungfert waren weil ich zu dem Thema nur ein einzigen Beitrag verfasst hatte. Es fühlte sich alles nach Zensur an - selbst auferlegter Zensur.

 Aus diesem Grund ist alles weg.


Ich möchte etwas Neues anfangen, alles wagen und auf nichts verzichten. Ich möchte wieder wissen, wie es sich anfühlt, von Herzen zu schreiben. Egal ob ich gerade über mein Lieblingsbuch berichte oder von kleinen Seerobben-Baby in Pyjamas.

14 April 2015

Über Betroffenheit und laute Stimmen im Netz

Foto: Casandra Krammer

Mir geht es schlecht. Nicht immer und auch nicht oft, aber es passiert. Und meistens hat dieses Unwohlsein mit meiner Arbeit als Grafikerin zu tun.
Es ist nicht immer leicht, so in der Öffentlichkeit zu stehen. Man präsentiert sich, wird von anderen gesehen, es werden Inhalte geteilt, Tweets getweetet, Fotos auf Instagram geteilt oder Kommentare auf Facebook gepostet. Für jemanden, der sich fast ausschließlich über das Internet vermarktet, ist es schwer, irgendwie Distanz zu bekommen.
Warum die Distanz? Nun, ich bin ein Mensch, und muss zugeben, ein relativ emotionaler dazu. Ich beneide, werde beneidet, fühle mich ausgegrenzt und grenze unbewusst aus. Neid, Hass, Freude. Alles liegt nur einen Mausklick voneinander entfernt.
Und manchmal bin ich diesem Druck nicht gewachsen
Zu sehen, wie das Leben allen anderen so leicht von der Hand geht, zu hören „ich lebe meinen Traum“ und selber irgendwie am Rande zu kriechen, nichts wirklich gebacken zu bekommen und trotzdem will man nicht aufgeben, weil man sonst ganz verloren hat, ist verflucht schwer.

Und es ist zynisch, denn ich weiß: Den Wenigsten fällt das Leben leicht.
Aber sie tun, was alle tun, auch ich, sie lassen es einfach aussehen. Und das nagt an mir. Und genau darüber, darüber, dass es an mir nagt, schreibe ich nicht. Ich schweige.
Zu zeigen, dass es für mich auch harte Zeiten gibt, fällt mir schwer. Ich rede viel und gerne, aber wenn es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht, um die, die mich nachts wach halten, die, die mich weinen lassen, obwohl sie eigentlich nicht so dramatisch aussehen, sich aber in meiner Brust anfühlen wie tausend explodierende Sterne, schweige ich. Unbewusst. Aber dafür konsequent.
Und nicht nur mit persönlichen Dingen geht es mir so, auch bei tragischen Sachen aus der Öffentlichkeit halte ich mich meistens bedeckt. Und eigentlich ist dieses Schriftstück hier ein Paradoxon, weil ich damit ein Statement abgebe, obwohl ich mich ja eigentlich in Schweigen hüllen will.
Sachen aus der Öffentlichkeit? Was heißt das?
ALS - Ice Bucket Challenge, Germanwings, Isis Terrorismus ... 
Die Liste der Dinge, bei dem die Menschen nicht aufhören können, sich das Maul zu zerreißen, ist groß.
Als ich das erste Mal für die Challenge nominiert wurde, dachte ich kurz darüber nach, mitzumachen. Jeder hat es gemacht und es hörte sich nach Spaß an und man hat für eine gute Sache gespendet - was ich auch begrüße. Aber dann hatte ich zu wenig Zeit, habe mich in die Arbeit gehängt, mich mit für mich weitaus naheliegenderen Themen beschäftigt und irgendwann wuchs in mir der Gedanke: Ich mache es nicht!
Ich mache es nicht, weil ich keine Zeit habe, sondern weil ich es nicht will. Die Krankheit ist schrecklich, ja, aber es wird auch nicht besser, wenn ich mir einen Kübel voller Eis über die Birne kippe und jeder sich darüber lustig machen kann, wie kalt mir danach ist.
Und die Sache mit dem Flugzeugabsturz?
Ganz ehrlich? Ich habe von dem Germanwings-Flug 9525 erst sehr spät erfahren. Zum einen besitze ich kein Fernseher mehr, weil ich den ganzen Bullshit im TV nicht ertragen kann, und zum anderen hat sich tief in mir eine natürliche Barriere gegen so etwas entwickelt. Ich brauche mir keine Videos anzugucken, in denen Verschwörungstheoretiker behaupten, der Absturz sei von Angela Merkel persönlich geplant worden. Ich brauche keine Videos von trauernden Menschen, keine Theorien über einen Terroranschlag, keine Debatten darüber, ob Depression uns zu Mördern macht – bis heute habe ich mir nichts dazu angesehen. Trotzdem kann ich mich nicht davor schützen, weil jeder darüber spricht.
Um ehrlich zu sein war ich zu der Zeit fast sauer auf die Like-geilen Menschen, die auf der Welle der hitzigen Diskussionen geschwommen sind, um ihre Like-Quote zu erhöhen, um vielleicht den Anschein zu erwecken, dass sie bessere Menschen als andere sind, weil sie sich zum Beispiel für ALS einsetzen oder weil sie R.I.P an ihre Pinnwand posten. Echte Hilfe war da nicht geboten – alles Heuchler und scheiß Moralapostel!
(Oder etwa nicht?)
Ich habe diese Haltung lange Zeit vertreten, und obwohl sie in diesem Moment für mich die wahre Position zu diesem Thema war, wusste ich tief in mir drin, dass das nicht die ganze Wahrheit ist.
Denn dazu gibt es nicht nur eine Lösung. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Es gibt (um es mal mit den Worten des Like-geilen Luders, das auch in mir schlummert, zu sagen) 50 Shades of Gründe, warum es Menschen bewegt, ein Teil von so einem Rummel zu sein. Mag sein, dass einige es machen, um die Reichweite ihrer Beiträge zu maximieren, aber vielleicht gibt es auch Menschen, die es aus wahrer Betroffenheit tun. In meinen Augen wollen wir am Ende einfach nur eins: dazugehören.
Und soll ich euch was sagen?
Das ist in Ordnung!
Ich akzeptiere sie. Ich akzeptiere die ganzen Like-me-Schlampen, ich akzeptiere die überemotionalen Menschen, die Probleme von anderen zu ihrem machen. Ich akzeptiere die politisch Motivierten, die Mitläufer, die Einzelgänger, die Betroffenen, die Verschwörungstheoretiker, die Weltverbesserer, die Kämpfer und Bekämpfe.
Ich habe erkannt, dass ich auch dazu gehöre. Ich bin wahrscheinlich ein Enthalter. Nicht nur aus Moral, sondern weil es mich wirklich peripher tangiert. Zumindest den Teil in mir, der ein Mitteilungsbedürfnis hat.
Aber auch an mir gehen solche tragischen Ereignisse nicht spurlos vorbei, auch ich muss hart schlucken, wenn ich mir vorstelle, dass meine Angehörigen in so einem Absturz verwickelt sein könnten und ich will solchen Tragödien auch nicht die Grausamkeit absprechen.
Aber wenn ich trauere, zünde ich für mich eine Kerze an, ohne direkt daraus ein #Hashtag auf Twitter zu machen.

Die einzige Frage, die sich mir dabei auftut, ist die, ob ich auch in Zukunft den Spagat schaffen werde zwischen Enthaltung und meinem eigenen öffentlichen Leben im Netz. Denn auch ich teile, denn auch ich produziere Content, denn auch ich bin auf Publikum angewiesen. Aber es fällt mir schwer, mich mitzuteilen. Es fällt mir schwer, zu twittern, wie es mir geht und was ich gerade mache, einfach, weil ich es nicht gewohnt bin, im Internet so laut zu sein.

~♥~
www.casandrakrammer.de
______________________________________________________________________

Momente

© HERZGEZEITEN • Bücher - Schreiben - Design. Made with love by The Dutch Lady Designs.