28 April 2013

Gedankenkiste ~ Gay Marriage - lass Liebe Liebe sein







Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel,
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel,
Und schlägt sie ewiglich.

~Matthias Claudius


Am Anfang dieses Monats sagte Frankreich „ja“ zur Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern und zählt damit zu den 13 Ländern, die offiziell Homosexuelle als gleichberechtigt gegenüber heterosexuellen Paaren ansehen. Das Thema ist in aller Munde. Nehmen wir Facebook als aktuellstes Beispiel. Jeder, der in letzter Zeit aktiv auf der Plattform war, wird die roten Gleichheitszeichen als Zeichen der Gleichberechtigung auf Profilbilder bemerkt haben.




In Amerika sind die Rufe nach Gleichstellung am lautesten, doch die Widersacher scheinen mit doppelter Gewalt zurückzuschlagen. Dabei macht es eigentlich den Anschein, als seien Homosexuelle in den USA in der Gesellschaft anerkannt. Jim Parsons, bekannt als Dr. Dr. Scheldon Cooper aus der Serie Big Bang Theory und Neil Patrick Harris, Schauspieler von Mr. Legen-der Barney Stinson, sind gefeierte Stars, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen. Auch Moderatorin Ellen von The Ellen Show lebt seit Jahren in einer lesbischen Beziehung. Warum denn noch die ganze Scharade?

Mein Interesse für das Thema Homosexualität wurde früh geweckt. Alles hat damals mit zwei Kuscheltieren angefangen, oder besser gesagt mit der Frage, was eigentlich passiert, wenn sich zwei beste Freunde ineinander verlieben?

Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es war in der dritten Klasse (2003), wir bekamen den Auftrag eine fiktive Geschichte zu schreiben.
Zu der Zeit besaß meine Familie kein Fernseher , denn wir lebten in einem Wohnwagen-, dafür spielte ich gerne mit Stofftieren. Meine absoluten Favoriten waren ein kleiner Hund und ein männlicher rosafarbener Frosch – warum er männlich war, begründete ich damit, dass er schläfrige Augen hatte. Die beiden waren beste Freunde. Eines Tages verliebte sich der Hund in den Frosch. Da beiden nicht derselben Rasse angehörten, nahm ihre Romanze ein tragisches Ende – wenn ich meine Geschichte von damals überdenke, muss ich zugeben, dass ich schon früh ein Hang zum Drama hatte.
Als ich die Geschichte der Klasse vortrug, stand plötzlich einer meiner Mitschüler auf und fragte laut, ob die beide „maricas“ also schwul seien. Auf Spanisch konnte ich mit dem Wort nichts anfangen und auch sonst hatte ich noch nie etwas von gleichgeschlechtlichen Paaren gehört. Als unser Lehrer weit ausholte und uns versuchte, das Thema der Homosexuellen näher zu bringen, war ich etwas enttäuscht darüber, dass meine Geschichte nicht einzigartig war. Irgendwie hatte ich gedacht, etwas Besonderes, noch nie dagewesenes geschaffen zu haben. Viele Jahre später habe ich erfahren, dass der Sohn meines Lehrers in der Zeit zwischen 2003 und 2004 verzweifelt versucht hatte eine Möglichkeit zu finden, um seinen Freund zu heiraten, damit dieser nicht nach Afrika abgeschoben wurde. Ich fing an, mich mit dem Thema weiter auseinanderzusetzen. Fast zeitgleich fing auch meine Leidenschaft für Animes und Mangas an und ich begann mich im Genre Shonen-ai (boys love) sehr wohl zu fühlen. Als dann 2005 die „Homo-Ehe“ in Spanien legalisiert wurde, verfolgte ich ganz aufgeregt die erste schwule Hochzeit im Fernsehen. Ich weiß bis heute nicht, was mich so an diesem Thema faszinierte. Auf jeden Fall fand ich es schön, so anders sein zu können und gleichzeitig so geliebt zu werden. Meine beste Freundin schwamm ebenfalls auf der "schwulen Welle". Wären wir 20 Jahre älter gewesen, hätten wir als „Fag Hags“ durchgehen können.


Ich glaube nicht, dass die Schwulenszene, sondern einfach der Gedanke der Gleichberechtigung mich an der ganzen Thematik so fasziniert hat. Um so barbarischer finde ich es, mit wie viel politischer Macht in Deutschland - und auch in anderen Ländern - über dieses Thema entschieden wird. Unsere Nachbarn die Niederländer haben damals den Schritt gewagt und waren das erste Land, welches die homosexuelle Eheschließung ermöglichte. Deutschland sollte sich ein großes Stück von diesem sozialen Evolutionskuchen abschneiden. Hierzulande geht es nicht darum, was uns als Gesellschaft vorrantreibt, sondern um ein Machtspiel bei dem wir kein richtiges Mitspracherecht haben. Entweder Käsekuchen oder Sahnetorte, wenn man Apfelstrudel will, muss man aus Leibeskräften darum kämpfen. Das bei der Ablehnung der vollkommenen gleichgeschlechtlicher Eheschließung das Grundgesetz – alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich – mit Füßen getreten wir, scheint vielen Politikern egal zu sein. Sie umgehen ihre eigenen Regeln und schaffen mal wieder Luft für berechtigte Kritik.

Ich bin ja eigentlich kein Mädchen, dass sich viel für Politik interessiert - eigentlich. Wenn ich aber sehe, mit wie viel Leichtsinn die Konservativen in diesem „Kuchenteig“ herumrühren und ihre verdorbenen Ingredienzien verteilen, habe ich den Eindruck, dass in Deutschland ein Machtwechsel gar nicht so verkehrt wäre. Dass unsere Christliche Partei den Gesetzentwürfen der Pro-Homo-Ehe nicht zustimmt, ist leider selbstverständlich. Das ist so, als würde man versuchen, Menschen die koscher leben einen Schweinebraten aufzutischen. Was viele nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen, ist, dass es hier nicht um politische Interessen oder um Religion geht, sondern um die Nutzung des gesunden Menschenverstandes. Vielleicht fehlt es den Machtspielern auch einfach nur an Empathie und Toleranz.
Dabei ist menschlich sein gar nicht so schwer.

Was die meisten nicht wissen oder auch gerne ignorieren: Homosexuelle kämpfen nicht nur für die Ehe. Sie sind in über 150 Gesetzen gegenüber Heterosexuellen Paaren benachteiligt.
Einige behaupten, dass Diskussionen über die homosexuelle Gesellschaft schon so ausgesaugt seien, dass es bei Debatten über dieses Thema nichts mehr zu holen gäbe. Andere sagen, dass man so viel und so bizarr über das Thema diskutiere, dass eine Normalisierung überhaupt nicht mehr möglich sei.

Ich persönlich denke, dass etwas so lange ausgesprochen werden muss, bis nicht nur ZU-gehört, sondern AN-gehört wird. Erst wenn die Menschen anfangen, das auszusprechen was sie nicht als normal empfinden und sich mit dem Gedanken abfinden, kann eine gewisse Normalität entstehen, die natürlich und respektvoll ist. Wir reden hier schließlich von einer biologischen Disposition und keine Wahl die man im Leben trifft. Dunkelhäutige Menschen werden nicht aufhören schwarz zu sein nur, weil es Rassisten nicht schmeckt. Gleichberechtigung ist kein Privileg, sondern ein angeborenes Recht.

Trotz alledem finde ich, dass Deutschland sich gegenüber anderen Ländern dem Ziel nähert, denn seit diesem Jahr dürfen gleichgeschlechtliche Partner Kinder adoptieren. Das ist ein Anfang.

Immerhin sind wir alle Menschen und man sollten Liebe Liebe sein lassen.

Ich wünsche euch noch ein wundertollen Start in die neue Woche.
Cassy K.

Kommentare

  1. Ein sehr guter Beitrag und informativ. Ein paar Sachen wusste ich noch gar nicht, bin aber der Meinung, dass das dringend geändert werden muss. Ich hoffe die Politiker werden bald mal wach und vor allem, dass sie endlich die Ehe zwischen Homosexuellen legalisieren UND die Gesetze anpassen.

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    1. Ja das finde ich auch. Zumal es krass ist, in wie vielen Ländern Homosexualität noch VERBOTEN ist.
      e_e wir Leben in einer Gesellschaft die auf Vorurteilen gebaut ist.

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  2. Ich bin da ganz deiner Meinung. Ich finde es schlimm das sie so dagegen sind und nicht alle Menschen einfach gleich behandeln...

    LG JuFax3

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  3. Aber da hattest mit Sicherheit einen ganz einzigartigen Zugang zu der Thematik gehabt ;)

    Lieben Gruß
    Ina

    www.petite-saigon.com

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  4. Wenn ich deine Altersangabe hochrechne, dann bist du jetzt 18. Respekt für diese sehr differenzierte Meinung. Gerade im Moment habe ich das Gefühl, dass hier alle Uhren rückwärts gedreht werden. Und ich sehe schon, dass nach der Wahl mal wieder das Verfassungsgericht eingeschaltet wird. Wie üblich!
    Ich bin übrigens heterosexuell und meine persönlichen Erfahrungen mit Homosexuellen sind äußerst gemischt. Den Homosexuellen die juristische Ehe zu verweigern ist aber völlig verfassungswidrig und das seit 1949. Insofern finde ich es wirklich klasse, dass du dich engagierst.

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